Zum Inhalt springen

Wirtschaft Essays

Wozu künstliche Intelligenz, wenn den Menschen die Arbeit ausgeht?

Es gibt keinen Grund, uns kritiklos für künstliche Intelligenz zu begeistern. Es gibt einen Grund, ihre Möglichkeiten zu schätzen. Das sind aber zwei völlig verschiedene Dinge. Seit zwei Jahrhunderten versprechen wir uns, dass Maschinen den Menschen von der Arbeit befreien. Heute fragen wir uns immer häufiger, wie viele Beschäftigte man dank ihnen entlassen kann. Wann genau haben wir das Ziel gewechselt?

Polnische Fassung lesen

Ein Mann mit einem Stuhl in der Hand steht im Büro, am Schreibtisch arbeitet ein Roboterarm, durch die offene Tür sieht man eine Familie am Tisch im Garten.

Es gibt keinen Grund, uns kritiklos für künstliche Intelligenz zu begeistern. Es gibt einen Grund, ihre Möglichkeiten zu schätzen. Das sind aber zwei völlig verschiedene Dinge. Seit zwei Jahrhunderten versprechen wir uns, dass Maschinen den Menschen von der Arbeit befreien. Heute fragen wir uns immer häufiger, wie viele Beschäftigte man dank ihnen entlassen kann. Wann genau haben wir das Ziel gewechselt?

Keynes versprach uns fünfzehn Stunden

1930 veröffentlichte John Maynard Keynes den Essay „Economic Possibilities for our Grandchildren“. Die Welt steckte in der Großen Depression, und der britische Ökonom wagte eine ungewöhnlich optimistische Prognose. In hundert Jahren könnten technischer Fortschritt und wachsender Wohlstand es den Menschen in den entwickelten Volkswirtschaften erlauben, nur noch fünfzehn Stunden pro Woche zu arbeiten. Keynes sagte keine Welt ohne Arbeit voraus. Er stellte sich eine Welt vor, in der die Arbeit nicht mehr den größten Teil des menschlichen Lebens verschlingt.

Wir schreiben das Jahr 2026. Bis zum Ende des hundertjährigen Horizonts des berühmten Ökonomen bleiben vier Jahre. Die entwickelten Volkswirtschaften sind unvergleichlich reicher als zu Keynes’ Zeiten. Computer führen Berechnungen aus, die ganze Generationen von Mathematikern nicht hätten bewältigen können. Algorithmen schreiben Programme, analysieren Dokumente und helfen bei Diagnosen. Und doch klingt die Fünfzehn-Stunden-Woche noch immer eher nach Provokation als nach wirtschaftlichem Programm.

Warum?

Weil Produktivitätsgewinne nicht automatisch in freie Zeit umgewandelt werden. Sie können in mehr Produktion fließen, in höhere Gewinne, niedrigere Preise oder höhere Löhne. Welche dieser Möglichkeiten sich durchsetzt, entscheidet nicht die Technik allein, sondern wirtschaftliche und gesellschaftliche Verhältnisse. Keynes stellte eine Frage, die in der Debatte über künstliche Intelligenz allzu leicht in den Hintergrund gerät. Wie viel Arbeit braucht der Mensch wirklich, um gut zu leben?

Die Ludditen waren keine Gegner des Fortschritts

Ein Mann sitzt auf einer Kiste neben einem Webstuhl mit drei Stoffballen, auf der anderen Seite arbeitet ein Mann am Computer, aus einer Maschine läuft Papier.

Anfang des 19. Jahrhunderts zerstörten englische Arbeiter Textilmaschinen. Die Geschichte erinnert sich an sie als Ludditen, als Menschen, die angeblich unfähig waren, die Unausweichlichkeit des Fortschritts zu begreifen. Eine bequeme Deutung, vor allem für jene, die am Fortschritt verdienten.

Die Arbeiter protestierten nicht nur gegen die neue Technik. Sie wehrten sich auch gegen den Verlust der Kontrolle über ihre Arbeitsbedingungen, gegen sinkende Löhne und die Entwertung ihrer bisherigen Qualifikationen. Die Maschine konnte die Produktion steigern. Sie garantierte aber nicht, dass der Mensch an ihr besser lebte.

Soziale Konflikte, der Aufstieg der Gewerkschaften, das Arbeitsrecht und die soziale Sicherung trugen dazu bei, dass die Gewinne der Industrialisierung breiter auch bei den Arbeitnehmern ankamen. Der Achtstundentag war kein Geschenk der Dampfmaschine.

Diese Unterscheidung lohnt es sich zu bewahren, wenn wir hören, künstliche Intelligenz werde allen Wohlstand bringen. Vielleicht tut sie das. Die Regeln seiner Verteilung legt sie aber nicht selbst fest.

Diesmal ist auch geistige Arbeit bedroht

Früher ersetzte Automatisierung vor allem Muskelkraft und sich wiederholende Tätigkeiten. KI kann auch einen Teil der Aufgaben übernehmen, die Wissen, Analyse und Sprache erfordern. Buchhalter, Jurist, Übersetzer, Programmierer, Analyst. Ihre Arbeit verschwindet nicht über Nacht, aber es ändert sich der Umfang der Tätigkeiten, für die ein Unternehmen zu zahlen bereit ist.

Eine Studie der Internationalen Arbeitsorganisation und des polnischen Forschungsinstituts NASK aus dem Jahr 2025 kam zu dem Ergebnis, dass rund ein Viertel der Arbeitsplätze weltweit potenziell von generativer KI betroffen ist. Die Autoren betonen, dass es meist um eine veränderte Ausübung des Berufs geht, nicht um seine vollständige Abschaffung. Eine veränderte Arbeitsweise muss jedoch nicht bedeuten, dass die bisherige Zahl der Stellen erhalten bleibt.

In einer Studie mit 5172 Beschäftigten im Kundenservice, 2025 im „Quarterly Journal of Economics“ veröffentlicht, steigerte ein KI-Assistent die Zahl der pro Stunde gelösten Fälle im Durchschnitt um 15 %. Bei weniger erfahrenen und geringer qualifizierten Beschäftigten erreichte der Zuwachs 30 %. Ein hervorragendes Ergebnis. Wer am Anfang seiner Laufbahn stand, erhielt ein Werkzeug, mit dem er schneller zu erfahreneren Kollegen aufschloss.

Nur: Was macht sein Arbeitgeber mit diesem Ergebnis?

Er kann mehr Kunden bedienen. Er kann die Arbeitszeit verkürzen. Er kann aber auch künftige Einstellungen begrenzen. Die Studie selbst belegt keine Massenentlassungen. Ein Blick auf Microsoft genügt jedoch, um zu sehen, wie nah große KI-Investitionen und die Senkung der Personalkosten beieinanderliegen. Laut Reuters kündigte das Unternehmen am 26. Oktober 2026 ein Programm für freiwillige Abgänge an, das rund 60.000 Beschäftigten offensteht. Das ist die Zahl der Berechtigten, nicht die Zahl bereits Entlassener. Es bedeutet auch nicht, dass ihre Aufgaben von KI übernommen wurden. Es zeigt aber, dass technologischer Ehrgeiz und die Suche nach Einsparungen beim Personal Hand in Hand gehen können.

Ich mache mir keine großen Illusionen darüber, wohin die Entscheidung der Vorstände tendiert, wenn sich dieselbe Qualität schneller und billiger liefern lässt. Dann ist es schwer, Aktionäre davon zu überzeugen, dass das Unternehmen freiwillig auf Einsparungen verzichten soll. Im Übrigen hat es keinen Sinn, aufgeklärte Vorstände zu verklären. Auch Jahresboni schärfen den Blick für Kosten ganz hervorragend.

Die Ökonomen sind sich nicht einig

2015 veröffentlichte David Autor, Ökonom am MIT, einen Artikel mit dem bezeichnenden Titel „Why Are There Still So Many Jobs?“.

Darin erinnerte er daran, dass Automatisierung die menschliche Arbeit zwei Jahrhunderte lang nicht beseitigt hat. Maschinen ersetzten bestimmte Aufgaben, schufen aber zugleich Bedarf an anderen. Billigere Produktion steigerte die Nachfrage, neue Branchen und neue Berufe entstanden. Das ist das stärkste Argument gegen die Vision einer unausweichlichen technologischen Arbeitslosigkeit.

Man kann es nicht ignorieren.

Doch vier Jahre später zeigten Daron Acemoglu und Pascual Restrepo, dass Automatisierung und die Entstehung neuer Aufgaben zwei getrennte Prozesse sind. Der erste kann den Bedarf an Arbeit und ihren Anteil an der Wertschöpfung verringern. Der zweite kann diese Verluste ausgleichen. Es gibt jedoch keine Garantie, dass beide Prozesse in ähnlichem Tempo verlaufen.

Ein Mann mit Aktentasche steht am Rand einer Baustelle mit einem Industrieroboter, im Hintergrund eine Hügellandschaft.

Genau hier liegt der Kern des gegenwärtigen Streits. Nicht in der Frage, ob KI die Aufgabe eines Menschen erledigen kann, sondern ob die Wirtschaft genügend wertvolle Arbeit dort schafft, wo die Maschine den Menschen ersetzt.

Nicht jeder fünfzigjährige Buchhalter wird KI-Ingenieur, Installateur oder Elektriker. Nicht jede Region, die von Verwaltungsdienstleistungen lebt, wird zu einem Zentrum neuer Technologien. Die Geschichte kennt die Gewinner industrieller Revolutionen. Sie kennt auch ganze Gemeinschaften, die jahrzehntelang für den Fortschritt anderer bezahlt haben.

Ein Blick auf den amerikanischen Rust Belt genügt. Seine Geschichte verbindet die Folgen von Automatisierung, Importkonkurrenz und Produktionsverlagerung. Das sind unterschiedliche Phänomene, doch Menschen, die beruflich den Boden unter den Füßen verloren, brachte die Unterscheidung der Ursachen keine geschlossene Fabrik zurück. Mit der Industrie verschwanden Arbeitsplätze und die Perspektiven der nächsten Generationen. Die versprochene bessere Zukunft entstand oft schon woanders.

Denn Fortschritt hat seinen Preis. Das Problem beginnt dort, wo die einen von ihm profitieren und die anderen mit ihrem Berufsleben, ihrer Sicherheit und ihrer verlorenen Zukunft bezahlen. Und sich dann noch anhören müssen, so funktioniere eben der Fortschritt.

Zuerst könnten die Jungen zahlen

Im August 2026 legten Forscher des Stanford Digital Economy Lab aktualisierte Ergebnisse ihrer Analyse des US-Arbeitsmarkts vor, gestützt auf Lohnabrechnungsdaten von ADP, einem der größten Anbieter von Gehaltsabrechnungen. Eine massenhafte Verdrängung von Beschäftigten durch KI in der gesamten Wirtschaft stellten sie nicht fest.

Sie beobachteten jedoch, dass die Beschäftigung der 22- bis 25-Jährigen in stark KI-exponierten Berufen um 19 % niedriger lag, als wenn sie im gleichen Tempo gewachsen wäre wie die Beschäftigung Gleichaltriger in weniger exponierten Berufen. Der Unterschied ging vor allem auf weniger Neueinstellungen junger Beschäftigter zurück, nicht auf eine Entlassungswelle.

Es handelt sich um einen relativen Vergleich, nicht um die Aussage, dass jeder fünfte junge Mensch seine Arbeit verloren hat. Die Autoren betonen zudem, dass sie den Einfluss von KI noch nicht eindeutig von anderen Veränderungen am Arbeitsmarkt trennen können.

Das Ergebnis offenbart dennoch ein seltsames Paradox. Unternehmen brauchen erfahrene Fachleute, die die Ergebnisse von KI kontrollieren können. Doch wenn sie keine Berufseinsteiger mehr einstellen, woher sollen in zehn Jahren die erfahrenen Fachleute kommen?

Man kann die Erstellung eines Berichts automatisieren. Schwerer lässt sich der Weg automatisieren, auf dem man berufliche Verantwortung erwirbt.

Erfolg des Unternehmens, Problem der Gesellschaft

Blick auf eine Fabrik mit Industrierobotern und auf Menschen, die eine Straße mit Cafés entlanggehen.

Stellen wir uns ein Unternehmen mit tausend Beschäftigten vor. Dank Automatisierung kann es dasselbe Ergebnis mit zweihundert Beschäftigten erzielen. Aus Kostensicht ist das potenziell ein enormer Erfolg.

Aber achthundert Menschen können ihr Einkommen verlieren. Der lokale Handel kann Kunden verlieren. Der Staat Steuereinnahmen. Soziale Kosten können aus der Bilanz des Unternehmens ausgelagert werden.

Das ist ein hypothetisches Beispiel, keine Prognose. Es zeigt jedoch, dass die Effizienz eines Unternehmens und der Wohlstand einer Gesellschaft nicht dasselbe sind. Das heißt auch nicht, dass ein Unternehmen überflüssige Stellen erhalten sollte. Der Wettbewerb kann eine solche Entscheidung unmöglich machen. Wenn ein Unternehmen die billigere Technologie nicht einführt, tut es ein anderes.

Das Problem ist also größer als die Moral eines einzelnen Arbeitgebers. Es betrifft die Regeln der Wirtschaft.

Wer erhält den Nutzen der Automatisierung? Die Beschäftigten in Form höherer Löhne? Die Verbraucher durch niedrigere Preise? Die Gesellschaft durch kürzere Arbeitszeiten? Oder vor allem die Kapitaleigner?

Technologie erweitert die Möglichkeiten. Sie entscheidet nicht, wer die Rechnung ausstellt und wer sie bezahlt.

Polen und Deutschland. Zwei Arten, am selben Rennen teilzunehmen

Nach Eurostat-Daten für 2025 nutzten 26 % der deutschen Unternehmen mit mindestens zehn Beschäftigten in den erfassten Wirtschaftszweigen KI. In Polen waren es 8,4 %, bei einem EU-Durchschnitt von 20 %.

Aus Sicht der Wettbewerbsfähigkeit sollte Polen die Einführung von KI beschleunigen. Eine moderne Wirtschaft lässt sich schwer aufbauen, wenn man eine produktivitätssteigernde Technologie ignoriert. Doch die Einführungsquote allein sagt nicht, ob die Beschäftigten besser leben.

Die deutsche Wirtschaft verfügt über eine stärkere Kapitalbasis, eine längere Tradition der Mitbestimmung und ausgebaute Institutionen des sozialen Dialogs. Polen konkurriert in vielen Branchen noch immer über die Arbeitskosten, auch wenn sich seine Vorteile allmählich verschieben. In beiden Ländern kann KI die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen verbessern. In beiden kann sie auch den Bedarf an bestimmten Qualifikationen verringern.

Die Amerikaner können an der Entwicklung der Modelle verdienen. Die Deutschen an ihrer industriellen Anwendung. Polen am Aufholen. Und die Beschäftigten? Das ist die unbequemste Frage.

Das Ausmaß des Rennens zeigt sich am Geld. Laut Stanford AI Index 2026 beliefen sich die privaten KI-Investitionen 2025 auf 285,9 Milliarden Dollar in den USA und 20,9 Milliarden in Europa. Die Übersicht von BADideas.fund nennt dagegen rund 105 Millionen Euro an Finanzierung für KI-Start-ups, die die Autoren dem polnischen Ökosystem zurechnen. Das ist eine engere Kategorie, anders berechnet, und erlaubt daher keinen direkten Vergleich mit den Stanford-Zahlen.

Milliarden sagen jedoch mehr über die Ambitionen der Investoren als über das künftige Leben der Beschäftigten. Man kann das technologische Rennen gewinnen und trotzdem keine Antwort auf die Frage von Keynes finden.

Warum sollten wir nicht weniger arbeiten?

2022 lief in Großbritannien ein sechsmonatiges Pilotprojekt zur Viertagewoche. Daran nahmen 61 Unternehmen mit rund 2900 Beschäftigten teil. Ziel war, die Arbeitszeit um ein Fünftel zu verkürzen, ohne die Löhne zu senken, wobei die einzelnen Firmen die Arbeit unterschiedlich organisierten.

Nach den 2023 veröffentlichten Ergebnissen gaben 71 % der Beschäftigten an, weniger ausgebrannt zu sein. Die Zahl der Krankheitstage sank um 65 %, die Zahl der Kündigungen um 57 %. In den 23 Unternehmen, die entsprechende Daten bereitstellten, stieg der Umsatz im Durchschnitt um 1,4 %, gewichtet nach Unternehmensgröße.

Es war kein Experiment zur KI selbst. Die Firmen meldeten sich freiwillig, daher kann man nicht annehmen, dass jede Organisation ein solches Ergebnis erzielt. Es zeigt aber, dass höhere Effizienz nicht nur der Ausweitung der Produktion dienen muss. Sie kann auch zurückgewonnene Zeit bedeuten.

Wenn wir dank Technik dieselbe Arbeit schneller erledigen, warum lautet die erste Frage so oft: Wie viele zusätzliche Aufgaben können wir noch übernehmen? Warum fragen wir viel seltener, wie viele Lebensstunden die Beschäftigten zurückgewinnen können?

Du lieber Himmel! Ich schreibe hier ausgesprochen naive Wünsche auf. Das ist mir bewusst. Keynes wäre aber wohl erstaunt, dass wir fast hundert Jahre nach seinem Essay die Fünftagewoche noch immer als natürliche Ordnung der Dinge behandeln und nicht als historischen Kompromiss.

Bleiben am Ende nur die Maschinen?

Eine Gruppe von Menschen am Esstisch, gemeinsam mit Robotern. Ein Mann mit Tasche spricht mit einer Frau, die übrigen Gäste lächeln und beteiligen sich am Gespräch. Im Hintergrund eine moderne Küche mit Regalen und Keramikgeschirr.

Es gibt keine Belege dafür, dass KI zwangsläufig zu einer Welt ohne menschliche Arbeit führen muss. Die bisherige Geschichte der Automatisierung liefert starke Argumente gegen eine solche Gewissheit. Wir haben aber auch keine Garantie, dass neue Aufgaben schnell genug, in ausreichender Zahl und dort entstehen, wo bisherige Stellen wegfallen.

Vielleicht wird die größte Herausforderung also nicht die technologische Arbeitslosigkeit sein, sondern die Lockerung der Verbindung zwischen Arbeit und Einkommen.

Zwei Jahrhunderte lang haben wir eine Gesellschaft aufgebaut, in der Arbeit nicht nur Geld bringt. Sie gibt auch Unabhängigkeit, gesellschaftliche Stellung, Sinn und das Gefühl, zu einer Gemeinschaft zu gehören. Wenn Maschinen einen erheblichen Teil der Aufgaben übernehmen, werden wir entscheiden müssen, ob das Recht auf ein würdiges Leben weiterhin vor allem von der wirtschaftlichen Nützlichkeit des Menschen abhängen soll.

Diese Frage wird kein weiteres Sprachmodell lösen. Auch nicht der Vorstand eines Unternehmens, der an der Rentabilität gemessen wird. Künstliche Intelligenz und Robotik können helfen, Krankheiten zu heilen, gefährliche Arbeit zu verringern und den Wohlstand zu mehren. Sie können aber auch Ungleichheiten vertiefen, wenn ein immer größerer Teil des erwirtschafteten Reichtums an die Eigentümer von Unternehmen und Technologien geht und ein immer kleinerer an die Menschen, die von ihrer eigenen Arbeit leben.

Letztlich geht es nicht darum, ob Maschinen schneller arbeiten werden als wir. In immer mehr Aufgaben werden sie das wohl tun. Es geht um etwas viel Wichtigeres.

Soll technischer Fortschritt den Menschen vom Zwang zur Arbeit befreien oder ihm die Möglichkeit nehmen, von seiner Arbeit zu leben? Keynes stellte sich die erste Möglichkeit vor.

Es wäre eine seltsame Ironie der Geschichte, wenn wir, ausgestattet mit einer Technologie, von der selbst er nicht träumen konnte, vor allem die zweite verwirklichten.

Zum Nachprüfen: Studien und Daten

John Maynard Keynes, „Economic Possibilities for our Grandchildren“, 1930. Originaltext zur Aussicht auf die Fünfzehn-Stunden-Woche.

The National Archives, „Why did the Luddites protest?“. Historische Materialien zu Protesten, Löhnen und Mechanisierung.

ILO–NASK, „Generative AI and jobs: A 2025 update“, 2025. Wie stark Berufe generativer KI ausgesetzt sind.

Erik Brynjolfsson, Danielle Li, Lindsey R. Raymond, „Generative AI at Work“, online veröffentlicht am 4. Februar 2025, „The Quarterly Journal of Economics“, Mai 2025. Endfassung: 5172 Beschäftigte, durchschnittlicher Produktivitätszuwachs von 15 %.

David H. Autor, „Why Are There Still So Many Jobs? The History and Future of Workplace Automation“, „Journal of Economic Perspectives“, Sommer 2015.

Daron Acemoglu, Pascual Restrepo, „Automation and New Tasks: How Technology Displaces and Reinstates Labor“, 2019. Automatisierung, neue Aufgaben und der Anteil der Arbeit an der Wertschöpfung.

Stanford Digital Economy Lab, Aktualisierung der Studie „Canaries in the Coal Mine?“, August 2026. Relative Beschäftigungslücke junger Arbeitnehmer und Grenzen der kausalen Deutung.

Eurostat, „20% of EU enterprises use AI technologies“, 11. Dezember 2025. Daten zur KI-Nutzung 2025.

Europäische Kommission, Länderbericht mit Daten für Deutschland, 2026. Daten zur KI-Nutzung 2025.

Stanford HAI, „The 2026 AI Index Report“, 2026. Private KI-Investitionen 2025: USA und Europa.

BADideas.fund, „Poland startup funding report“, Aktualisierung für das dritte Quartal 2026. Finanzierung von KI-Start-ups 2025 und Methodik der Zuordnung von Firmen zum polnischen Ökosystem.

University of Cambridge, „Would you prefer a four-day working week?“, 21. Februar 2023. Ergebnisse des britischen Pilotprojekts von 2022.